Ermittler finden Sprengstoff bei Drohnen-Fund in Wunstorf

Ermittler haben nahe einer beschädigten Drohne in der Nähe des Militärflugplatzes Wunstorf verdächtiges Material gefunden. Dort ist die A400M-Flotte der Bundeswehr stationiert.

Von Tomas Lindqvist
Illustration: a globe on a desk in front of a tall window
IllustrationMorrowline

Ein Landwirt alarmierte die Polizei, nachdem er auf einem überwachsenen Gelände etwa einen Kilometer vom Militärflugplatz Wunstorf in Niedersachsen eine beschädigte Drohne gefunden hatte, wie die Tagesschau berichtet. Der Fund erfolgte etwa eine Woche, bevor die Ermittlungen publik wurden. Der Fall wurde mittlerweile an den Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt (BKA) abgegeben.

Was die Ermittler fanden

Bei der Durchsuchung des Gebiets fanden die Polizeibeamten wenige Meter von der Drohne entfernt verdächtiges Material. Die kriminaltechnische Untersuchung war noch nicht abgeschlossen, sodass die Behörden die Substanz noch nicht bestätigt hatten. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Drohne möglicherweise mit Sprengstoff bestückt war.

Eine Analyse des Fluggeräts deutet zudem darauf hin, dass es möglicherweise schon vor bis zu zwei Jahren in der Nähe des Militärgeländes abgestürzt sein könnte. Die Drohne war in mehrere Teile zerbrochen. Mindestens eine Komponente scheint laut Tagesschau und t-online mit einem 3D-Drucker hergestellt worden zu sein.

Der Generalbundesanwalt prüft einen möglichen Zusammenhang mit einem versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle im August. Die Drohne von Wunstorf scheint ein ähnliches Design zu haben wie das Fluggerät, das in jenem Fall verwendet wurde. Die deutsche Regierung machte Russland für den Versuch in Leipzig verantwortlich, während Moskau die Vorwürfe zurückwies.

Warum Wunstorf ein militärisches Ziel ist

In Wunstorf ist die Flotte der Transportflugzeuge Airbus A400M der Bundeswehr stationiert. Die Flugzeuge bewegen Truppen und Ausrüstung weltweit. Der Stützpunkt ist auch ein Drehkreuz für die globalen logistischen Operationen der Bundeswehr.

Über den Fund wurde bei der wöchentlichen Lagebesprechung der Sicherheitsbehörden im deutschen Kanzleramt diskutiert. Die Behörde des Generalbundesanwalts lehnte eine Stellungnahme zu den Ermittlungen mit Verweis auf laufende Verfahren ab.

Die Virtus-Bestellung der Bundeswehr

Die Ermittlungen laufen, während sich die Bundeswehr darauf vorbereitet, die sogenannten Loitering-Munition „Virtus“ vom Berliner Unternehmen Stark Defence zu erhalten. Diese bewaffneten unbemannten Fluggeräte, auch Kamikaze-Drohnen genannt, können laut n-tv bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben und bis zu 130 Kilometer weit fliegen. Sie wiegen bis zu 33 Kilogramm.

Stark-Geschäftsführer Josef Kranawetvogl sagte, das Unternehmen plane, bald mit den Lieferungen zu beginnen. Die erste Charge ist für die in Litauen stationierte deutsche Brigade bestimmt. Die Systeme sollen dort bei einer NATO-Übung im November zum Einsatz kommen. Die Drohnen führen bei Übungen keinen Sprengstoff mit und können mit ihren Propellern wieder landen.

Für die Bundeswehr-Einheiten wirft die beiden Entwicklungen unterschiedliche Fragen auf: Ermittler klären noch, ob die Wunstorfer Drohne einen Sprengsatz trug, während das Militär den Einsatz eines separaten bewaffneten Drohnensystems vorbereitet. Stark sagte, Virtus werde bereits in der Ukraine eingesetzt, und die Bestellung der Bundeswehr sei Teil einer breiteren Initiative, Loitering-Munition in die Truppen aufzunehmen.

Quellen (4)

  1. tagesschau.detagesschau.de
  2. t-online.det-online.de
  3. ndr.dendr.de
  4. n-tv.den-tv.de